ROVA Sax Quartet-25.04. - Der Jazz-Heinz

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ROVA Sax Quartet-25.04.

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JiM 58 - 25.April 2017
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Rova Saxophone Quartet & Christof Kurzmann & Burkhard Stangl
play Steve Lacy´s "Saxophone Special"
USA / Österreich
Bruce Ackley - soprano saxophone / Steve Adams - alto & sopranino saxophone / Larry Ochs - tenor saxophone
Jon Raskin - baritone saxophone / Christof Kurzmann - electronics (PPOOLL) / Burkhard Stangl - e-guitar

Phones, Strings & Bitsx

Die Mitglieder des ROVA hegen seit ihren Jugendjahren eine große Bewunderung und Hochachtung für die Musik des Ausnahmestilisten, Sopransaxophon-Neuerers und profundesten Monk Kenners Steve Lacy. Eine jener wegbereitenden Lichtgestalten der Jazz-Avantgarde. Bereits 1983 hat das ROVA Saxophone Quartet eine vielbeachtete Platte mit Lacy Kompositionen aufgenommen – "Favorite Street", so der Titel.x
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Nunmehr haben sich die "Saxophoniker" eines speziellen Projektes aus Lacys Oeuvre angenommen. Es ist dies ein Stückezyklus für Saxophonquartett zuzüglich E-Gitarre und Electronics, der 1974 in London uraufgeführt und unter dem Titel "Saxophon Special" auf Platte gebannt wurde. Damalige Partizipanten waren neben Lacy die Saxophonisten Steve Potts, Trevor Watts und Evan Parker sowie Derek Bailey an der E-Gitarre und der Elektroniker Michel Waisvisz.x
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Für ihren "Wiederbesuch" dieses Lacy Werkes, ersannen die ROVAs die Idee, entsprechend des Aufführungsortes namhafte Musiker jener beiden zusätzlichen Instrumentengattungen der jeweils dortigen Szene einzuladen. In Wien waren dies zwei der apartesten Fährtenleger und Kreativköpfe des Zwischenstromlandes improvisierte, elektronische, neue Musik & Jazz – Gitarrist Burkhard Stangl und Elektroniker Christoph Kurzmann.x
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Lacys Musik aus dieser Periode zählt konzeptionell und klangqualitativ zu seiner radikalsten. Von den lacytypischen, verwinkelt gegliederten, herb tönenden Themenblöcken als Leitfaden abgesehen, obliegt die Musik primär der spontan improvisatorischen Ausgestaltung. Von den ersten Klangformulierungen an war vernehmbar, wie tief die Saxophonisten erneut in die Musik Lacys eingedrungen waren, und das sie als reines Saxophonensemble, nach der bedauerlichen Auflösung des WSQ, in den Jazzweiten ein Alleinstellungsmerkmal haben. Souverän über das komplette Spektrum erweiterter Saxophontechniken verfügend bzw. Klangeindrücke und Formalismen der Jazz-Avantgarde und der "Neuen Musik" mit Selbstverständnis verbindend, zogen sie aus dem vorgegebenen Material die Wurzel, um damit ihre höchst persönliche Affinität zu Lacys Klangwelt zu betonen.x
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Was jedoch noch eindringlicher sich Gehör verschaffte, war die Tatsache wie vollends die beiden "Gäste" Stangl und Kurzmann in das Ensemblegefüge integriert waren. Sensorisch wachest, betrieben sie konterkarierende Einmischungen oder engverschränkte Korrespondenzen mit den Holzbläsern in spontan assoziativem Vorgehen. Stangl nahm zwar Anregungen der seinerzeitigen spröden, komplex verästelten Ereignisse Derek Baileys auf, ergänzte diese aber, auf einer unbändigen Spiellaune dahinsegelnd, um aufregende, atonale harmonische Wendungen, intrusive Schwellakkorde, Klangspaltungen, non-konforme Melodieführungen und irisierende Flageolettmeander. Und blieb unumwunden er selbst.x
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Gleichfalls sein eigenständiges Profil einbringend, setzte Kurzmann seine Integrativinterventionen. Mit den enormen Möglichkeiten seines speziellen Soundprogrammes PPOOLL, konnte er die Dimensionen der artifiziellen Klangqualitäten gegenüber der Trockenheit der damaligen, potenzieren. Subtil montierte er situationselastisch polyphone oder monochrome Klangaggregate in den "Werkstoff". Wie auch Stangl nutzte er z.B. intensivierend  Pausen und statische Zustände. Famos waren die grundierenden Kontrabassklarinetten-Schnipsel, sowie das ein Stück finalisierende Solo aus Sanza-Sounds.x
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Als Hörende(r) trieb man in einem wallenden Klangozean eines Ensembles, das eine verblüffend nahtlose Einheit bildet, und Grund eloquentem Interplay, wechselweise und ausdifferenziert, mikrotonale Regionen ausleuchtete, Satzspiel, sowohl unisono als auch kontrapunktisch ausgetüftelt, mit Grundton- oder Dur/Moll-Bezogenheit, respektive dieses aushebelnd, formulierte, bebende Klangflächen ligetischer Intensität ausbreitete, ausgelassen in Kleingruppierungen extemporierte oder tosende Kollektiveruptionen lostrat.x
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Stand im ersten Set Lacys Musik im Zentrum, betonte das zweite Set Kompositionen und Improvisationsanregungen der ROVA-Mitglieder. So wie Steve Lacy die Musik Monks auf einzigartige Weise verinnerlicht hatte, sind die ROVA-Leute die würdigen Erben, und dieses Erbe dem Gegenwärtigen anvertrauend, von Lacys Klangnachlass. Gegenständliche Konstellation lässt mit dieser berauschenden Performance die Hoffnung aufkeimen, dass sie zu einem ROVAKS Sextet mutieren können. Ganz speziell.-

Hannes Schweiger / JiM - #27 für www.jazzheinz.com

 

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