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reformARTorchestra-24.11.

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JiM 56 - 24.November 2016
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reformARTorchestra
"The music of John Coltrane (* 1926 - † 1967) - dedicated to his 90th birthday"

Österreich / Italien
Fritz Novotny - soprano saxophone, flute /  Sandro Miori - tenor saxophone  / Georg Graf - bass clarinet
Horst Brückl "Alaeddin Adlernest" - bassoon / Karl Vößner - english horn / Rudolf Ruschel - trombone
Raoul Herget - tuba / Rina Chandra - bansuri / Paul Fields - e-violin / Inge Katharina Pechoc - keyboard
Yedda Chunyu Lin - zither, kalimba / Johannes Groysbeck - e-bass / Reinhard Ziegerhofer - double bass
Wolfgang Reisinger - drums, percussion

Coltrane Hommage mit Umleitungenx

Hommagen sind apriori so eine Sache für sich. Das eine Hommage an eine Lichtgestalt wie John Coltrane seine Berechtigung hat, steht außer Frage. Aber häufig zeitigen solche Hommagen eine relativ oberflächliche Bezugnahme zum Werk des zu Verehrenden. Wird dann zusätzlich dezidiert auf die Aufführung einzelner Stücke eines Künstlers verwiesen, so proklamiert in der Ehrerbietung des reformARTorchestra, scheint es doch angebracht, der Aussage dieser Stücke mit dem Eigenen tiefgreifend nachzugehen.x
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Da wirkte es ein wenig schal, als Novotny im ersten Set, umgeben von lautstarken, markigen Ensemblewallungen nur die ersten beiden Noten von z.B. Coltranes "India" anspielte und diese zusammenhanglos verhallen ließ. Auch das Kollektiv fand keine schlüssige Kommunikationsebene und die phasenweise dichte Konstitution , die auf die vitale Aktivität des Saxophonisten Sandro Miori zurückging, der hier schon erste Signale als entscheidender Impulsgeber sendete, die aber noch nicht angenommen wurden, bröckelte auseinander. Alles geriet ein wenig einsilbig und versprengt, kulminierend in einer diffusen Klangwolke.x
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Erschwerend hinzu kam noch eine nicht optimale Mikrophonierung, wodurch einige Instrumente mit leiser Charakteristik, z.B. English Horn, Bansuri, Fagott völlig unter die Hörbarkeitsschwelle gerieten. Dem zweiten Set gingen reformART-typische, feinstoffliche, kontemplativ sich sammelnden Klanggebilde, mit ihren Bezügen zu Klangeindrücken der Dodekaphonie, voraus. Dieser Prozess währte eine geraume Weile, bewirkte jedoch keine schlüssige Interaktion.x
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Nach diesem Umherschweifen riss ein spielwütiger Sandro Miori die Initiative an sich und puschte sich in einen Stretto-Modus. Mit Inbrunst reflektierte er in seiner Eigenverantwortung das Fluidum des coltraneschen Oeuvres. Hier schwang jetzt auch der Impetus von Improvisationskunststücken wie "Meditations", "Om" oder "India" in wirklich substantieller Weise mit. Der enorme inbrünstige Sog seines Spieles, gekennzeichnet von einem signifikanten Gemenge aus affektivem Melodierausch, flirrenden Spalt- und Mehrklängen, veredelt mit einem kernigen Ton, stachelte auch einige Mitstreiter wie Wolfgang Reisinger, Georg Graf, Reinhard Ziegerhofer, Johannes Groysbeck und Raoul Herget unmittelbar an. Eine innere Einheit des „rAo", die sich über einem zupackenden chromatischen Ostinato, das Reisinger mit differenzierten, pushenden Schlagfertigkeiten beflügelte, zu einem intensiven, fiebrig aufgewühlten Parforce-Ritt aufschwangen. Selbst die restlichen AkteurInnen verweilten oft in gebanntem Zuhören.x
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Wieso sich das Thema von "Bags Groove" und der Albert Ayler Ausspruch "Music Is The Healing Force Of The Universe" hier hin verirrt haben, bleibt Fritz Novotnys Geheimnis. Soll es auch. Die Verbeugung vor Coltrane gelangte denn doch zu einer gebührenden Inhaltlichkeit. Aber man muss Fritz Novotny für seinen unstillbaren Tatendrang und initiatorische Umtriebigkeit, die der Aufrechterhaltung einer demokratischen Musizier- und humanistischen Lebenshaltung den Klang spendet, hohen Respekt zollen. Nachträglich alles Gute zum Geburtstag, lieber Fritz Novotny.-

Hannes Schweiger / JiM - #25 für www.jazzheinz.com

 

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