Kondo/Brötzm./Leigh-31.08. - Der Jazz-Heinz

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Kondo/Brötzm./Leigh-31.08.

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JiM 61 - 31.August 2017
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Kondo / Brötzmann / Leigh
Japan / Deutschland / USA
Toshinori Kondō – e-trumpet / Peter Brötzmann – tenor saxophone, clarinet, tárogató / Heather Leigh - pedal steel guitar

Freispiel des Altersx

Nach längerer Pause haben sich die beiden "Soulbrothers" (O-Ton Brötzmann) wieder für gemeinsame lautmalende "Freilassungen" zusammengefunden. Möglicherweise lautete der Ansatz, nochmals alte Weggefährten aus Japan zu einer Tour zusammenzutrommeln. Doch der vorgesehen mitpartizipierende Trommler Sabu Toyozumi ließ kurzfristig die Stöcke fallen.x
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Demzufolge lag es an der Pedal Steel Gitarristin Heather Leigh ("Soulsister" - Wortlaut Brötzmann) den freien Platz einzunehmen. Ein durchwachsenes freies Spiel der Kräfte nahm seinen Lauf. Das erste Set war definitiv von Ermüdungserscheinungen (was ihnen schon zugestanden werden darf) Brötzmanns und speziell Kondos geprägt. Brötzmann trat das Geschehen zwar mit expressivem Tonfall los, konnte aber das musikalische Feuer nicht richtig anfachen. Eine gewisse Schwere und Unentschlossenheit, besonders Leigh hantierte geradezu zaghaft mit statischen Schwebeklängen, machte sich breit. Die hitzeaufgeladenen räumlichen Bedingungen taten das ihre.x
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Im zweiten Set sprang der Funken zwischen den Freigeistern dann doch über. Das Interplay gestaltete sich entspannt, dynamisch schattiert und die Klangstrukturen mit ihren pulsierenden Rhythmen von zumeist asymmetrischer Natur, verdichteten sich großteils zum charakterisierenden Hauptwesen - dem eigenwüchsigen Sound. Freimütig demonstrierte Brötzmann wie man souverän mit der Bürde des Alters umgehen kann. Er hat sein unvergleichliches Spiel auf den "Nennwert" eingedampft.  Die stakkatierende Attacke mit aufwühlendem Schrei in sehr kompakter Ausdehnung, verdingt sich nun noch engmaschiger mit balladesker Sanftmut. Kondos Spiel lässt gleichfalls seine aufregende eigene Erkundungsgeschichte aufblitzen. Und Leigh bereichert mit trashigen Sounds in einigen Momenten den Spannungsbogen. Wiewohl ihr Tun doch einige Fragen aufwarf.x
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Zur Diskussion stand nicht die Inszenierung einer neuerlichen Sternstunde, deren haben die beiden Tonkünstler in ihrem Improvisatorendasein ausreichende abgeliefert, vielmehr wie man sein musikalisches Vermächtnis in Wahrhaftigkeit und Würde am Leben erhält – in ungewöhnlicher Besetzung.  Peter Brötzmann ist auch dahingehend eine kompromisslose Ausnahmeerscheinung.x
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Dazu noch: welch hohen Stellenwert er für die europäische Nuance des "Free Jazz" einnimmt, dokumentierte zudem eindrucksvoll die kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung betreffend der legendären "Berliner Musikerkooperative FMP", für die Brötzmann die Initialzündung lieferte, im "Münchner Haus der Künste". Ein begleitender Katalog ist für nächstes Jahr in Vorbereitung.-

xHannes Schweiger / JiM - #30 für www.jazzheinz.com

 

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